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Ein Erfahrungsbericht zum Teilzeitstudium

Vom Leiden, Leben, Studieren und Arbeiten

ein Erfahrungsbericht des Wetterfuchses über das Teilzeitstudium neben der Arbeit

Wie bereits im Januar angekündigt, sollte Ende Februar wieder Content und Leben diesen Blog füllen. Ein klimatologischer Rückblick auf den Winter 2024/2025 ist schon in Arbeit.
In diesem Artikel möchte ich aber einmal über mein Masterstudium "Atmospheric Science" an der Universität Hamburg berichten, was ich im Oktober 2024 begonnen habe. Natürlich wäre normales Studieren zu langweilig, daher arbeite ich weiterhin zu 85 % in Vollzeit an der Luftfahrtberatungszentrale in Hamburg in der Flugwetterberatung im Wechselschichtdienst. 

Ich möchte diesem Eintrag mit den Worten der berühmten Physikerin Marie Curie beginnen :

"Ich habe gelernt, dass der Weg des Fortschritts weder kurz noch unbeschwerlich ist." 

Nach diesem Semester würde ich sagen, trifft dieses Zitat gut für meinen eingeschlagenen Weg zu. Also beantworte ich für Interessierte mal die Frage:

Geht das überhaupt?

Kurze Antwort : Ja das geht - aber nichts ist umsonst. 
Eine längere Antwort zeigt, dass es extrem von dir abhängt. Nicht nur deine Person, sondern auch dein Arbeitgeber, dein Umfeld und deine Universität bzw. dein Studium spielen bei der Entscheidung eine Rolle. 

Dein Studium

Die Regelstudienzeit meines Studiums schlägt eine 30 h "Arbeitswoche" im Semester vor, wobei natürlich diese dann abweicht, wenn auch noch Prüfungen hinzukommen. In der vorlesungsfreien Zeit hängt dies natürlich ebenfalls von Prüfungen und Prüfungsform ab. Im Folgenden ist dies einmal durchgerechnet. Meine Empfehlung, wenn du mit dem Gedanken eines Studiums spielst:
Informiere dich über die Regelstudienzeit, Prüfungsformen, Studienaufbau und Modalitäten des Studiums. Meistens ist es keine schlechte Idee dich  auch vom Studiengangskoordination beraten zulassen. All dies musst du dann aber auch für deine geplante Arbeitswoche berücksichtigen.


Deine Arbeit

Nun kommt zum Studium auch noch die Arbeitszeit dazu, welche durch das Schichtsystem in meinem Fall natürlich nicht auf jede Woche gleichmäßig verteilt werden kann. Daher habe ich im Vorfeld meine Kurse und die Arbeit jeweils aufeinander abgestimmt. Meine Wochenarbeitszeit habe ich von 41 Stunden auf 34,85 Stunden reduziert. Die Regelstudienzeit habe ich den Vollzeitstudierenden überlassen und diese von 30 LP auf 15 LP begrenzt bzw. auf 3 Tage aufgeteilt. Sodass ich pro Woche auf ca. 49,85 Stunden gekommen bin. Dabei sei erwähnt, dass dies die mittlere Arbeitsbelastung darstellen würde. In Spitzenzeiten (durch Job/Projekte) wurde diese Stundenanzahl logischerweise unter- oder überschritten - je nach Arbeitsbelastung.
Im Folgenden mal eine Übersicht... 


Aus dieser Tabelle geht nicht nur mein angestrebtes Ende im Jahr 2028 hervor, sondern auch die Harmonisierung zwischen Arbeit & Studium. 

Deine Person 

Eigentlich müsste man ich hier "Persönlichkeit" schreiben. Ich würde sagen, dass nicht jede Person dafür geeignet ist. Ich selbst würde von mir behaupten ein "Meister des Chaos" zu sein und daher auch nur bedingt für das Studieren und Arbeiten geeignet zu sein. 
Allgemein solltest du aber in der Lage sein dein Leben genau zu strukturieren und zu organisieren. Diese Organisierung und Strukturierung müssen dann auch konsequent umgesetzt werden. Da die Fähigkeit der Umsetzung deines Plans den Rahmen für deine restliche Freizeitgestaltung festlegt. Ggfs. muss du bereit sein auch Kompromisse in deiner Freizeit oder deinem Sozialleben einzugehen und Einschnitte der Gestaltung davon hinnehmen. Dies ist extrem abhängig  davon, wie gut du deinen Plan Semesterweise umsetzen kannst und wie reflektiert du auch mit dir selbst bist. Als "Meister des Chaos" wusste ich zwar, dass ich mich gut organisieren kann, aber definitiv schludrig bin, wenn's zum Umsetzen des Plans geht. Daher habe ich eine größeren Puffer genommen und einige, starke Einschnitte in meinem Privatleben vorgenommen und daher Raum für diese Schludrigkeit geschaffen. Einige kannten vielleicht noch mein Tropensturmprojekt auf Twitter/X, was wie mein Blog darunter leiden mussten. Nur wenige außeruniversitäre Veranstaltungen konnte ich daher beiwohnen oder private Initiativen weiterverfolgen.
Diese Maßnahmen haben sich im Nachhinein als extrem vorteilhaft für den "Studienerfolg" erwiesen und waren eine Erleichterung diese Arbeitsleistung zu erbringen. Die notwendigen Kraftreserven mussten aber auch erstmal gefunden werden. Die gibt es logischerweise nicht für Umsonst und alles hat seinen Preis. Die geringe Teilhabe an Aktivitäten der Mitstudierenden führt nicht unbedingt zu innigen Verhältnissen und auch die privaten Kontakte müssen darunter leiden. Auch der Kraftakt sich zum Lernen aufzuraffen oder zur Uni zufahren, gleichzeitig irgendwo auch noch sein Leben halbwegs funktional durchzuziehen, sollte man niemals vergessen. Leider hat mich dann auch die ein oder andere Krankheitswelle nicht gänzlich verschont, was ich aber als unkalkulierbare Ereignisse abstempeln würde. Am Ende haben ich meinen Urlaub von der Arbeit für die Klausurvorbereitung verwendet, da dort die Arbeitsbelastung hinsichtlich der Uni am größten war und so der Fokus besser von mir gesetzt werden konnte. 

Dein Umfeld

Am Ende ist so ein Teilstudium kein Egoprojekt, denn auch dein Umfeld muss stimmen. Hier kann ich nur von quasi-optimalen Bedingungen sprechen.
Ich habe das Glück, dass meine Mitstudierenden mich selbst mit meiner Arbeit in ihren Kreis aufgenommen und akzeptiert haben.
Ich habe das Glück, dass mein Arbeitgeber, meine Vorgesetzten (sowohl die Leitung, als auch die Stellvertretung und die Dienstplanorganisation ) und mein Kollegium dieses Projekt indirekt oder direkt unterstützten.
Ich habe das Glück, dass meine Familie und meine Freunde mich ebenfalls bei meinem Weg unterstützen. 

Daher greife ich hier das Zitat von Marie Curie vom Anfang auf und sage dazu nur: 

Der Weg des Fortschritts ist nicht kurz und unbeschwert, aber leichter wenn man Unterstützung erfährt.

Jetzt bleibt mir nichts mehr übrig als mich nach diesem "Roman" bei allen Unterstützern, Mitstudierenden, dem gesamten Kollegium der Luftfahrtberatungszentrale Hamburg, der Familie und Freunden zu bedanken, die ihren Beitrag zur Ermöglichung des ersten Abschnitt meines Studiums geleistet habe. 

Euer Wetter-🦊



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