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 Eine neue Unwetterlage?
Zeit für ein neues Format!
Mit diesem Blog möchte ich dem Twitter/X-Sumpf entfliehen und euch gebündelt in Form von meines ersten Blogartikels meine vorläufige Einschätzung für die nächste, kommende Unwetterlage zum Start der neuen Woche am Montag/Dienstag (2/3 September) geben. 
Übersicht der Warnparamter

Zusammenfassung 

Erste starke, örtlich schwere Gewitter in der Westhälfte, im Laufe des Montags langsam ostwärts ausgreifend, dabei in der Nacht zum Dienstag deutlich abschwächend. 
Am Dienstag dann vor allem vom Alpenraum über  Hohelohe-Franken über Thüringen bis an die Dänische Grenze erneut auflebende Gewitteraktivität.
In den Mittelgebirgen allgemein zunehmende Gewitterwahrscheinlichkeit.

Begleiterscheinungen 
  • Teils heftiger Starkregen mit Niederschlagssummen von 20-35 L/m² in kurzer Zeit, örtlich auch extrem heftiger Starkregen mit Niederschlagsummen von 30-50 L/m² in einer Stunde
  • Sturmböen zwischen 65 - 85 km/h aus N-NW sehr wahrscheinlich, örtlich auch schwere Sturmböen um 95 km/h möglich.
  • Kleinkörniger Hagel um 1cm, ggf. zeitweilig auch mit Korngrößen zwischen 2 und 3 cm nicht gänzlich ausgeschlossen 
In der Nacht zum Dienstag und Mittwoch nimmt insbesondere das Risiko für Böen deutlich ab und auch Hagel wird unwahrscheinlicher!

Einen schönen Wochenstart 
Euer Wetterfuchs. 

Diskussion 

Großwetterlage

Prognostizierte Frontenanalyse vom Deutschen Wetterdienst / dwd.de
Wie in der Frontenvorhersage des Wetterdienstes gezeigt, soll sich ein flaches Tief über den Britischen Inseln bilden, dessen Kaltfront von Frankreich auf den Westen von Deutschland übergreifen wird. Vorderseitig im Warmsektor bildet sich im Laufe des Montags bereits eine Tiefdruckrinne aus, in dessen eine oder mehrere Windkonvergenzen eingelagert sind. Die Konvergenz greift ostwärts über und bleibt vor der Kaltfront wetterwirksam. Sie erreicht bis zum Dienstagmorgen etwa eine Linie Westküste Schleswig-Holsteins - Franken, wandert nachfolgend ostwärts.

Diese Gesamtkonstellation wird in der Höhe durch einen breiten Höhenrücken vom Alpenraum bis in die Nordsee gedeckelt. Damit fehlt in dieser Lage zunächst die dynamische Komponente, bevor der erste Trog von Südwesten heranzieht und am Dienstag etwas mehr Dynamik in die Geschichte bringt.
Allgemein wird mit einer SW-Strömung eine wärme Luftmasse subtropischer Natur herangeführt. Diese Höhenwarmluftadvektion (WLA) könnte aber stark die Konvektionsbildung hemmen bzw. deckeln.   

Warnparamter

Vorderseitig der Kaltfront werden relativ hohe SB-Cape-Werte um 1500 J/kg (MU-Cape in der Nacht zwischen 200 und 400 J/kg) mit lokalen Maxima bis 2500 J/Kg(MU-Nachts bis 1000 J/kg) simuliert, dabei sind nach Westen moderate Mid-Level-Lapse-Rates von -6,5 bis -5,5 K/km anzutreffen. Grundsätzlich wird die Hauptaktivität ab dem Mittag im Bergland beginnen und je nach Lage der Rinne und den Konvergenzen auf das Umland übergreifen und bis in die Nacht andauern, solange die Windkonvergenzen die notwendige Hebung bringen. 
Wenn sich Konvektion ausbilden kann, kann diese nicht nur auf eine hochenergetische Luftmasse zugreifen, sondern auch auf eine ordentliche Feuchte.
Die PPW-Werte steigen in einer subtropischen Luftmasse auf überörtlich 40mm, lokal auch um 45mm. Bei geringen Höhenströmungen von 20 km/h in 700 hPa aus S ziehen Gewitter langsam, was den Fokus ganz klar auf den Starkregen legt. Dabei sind hohe Niederschlagsraten sehr wahrscheinlich, sodass Mengen zwischen 20 und 35 mm in kurzer Zeit sehr häufig zusehen sein werden. Örtlich dürften auch Mengen zwischen 30 und 50 mm zusammenkommen - ganz lokal im Worst-Case dürften es nochmal 10-15 mm oben drauf geben. Bei solchen Wassermengen und Niederschlagsraten müssen wir auch über den Wind sprechen. Die Cumulibasis wird in 1200m berechnet, sodass sich mit hoher Wahrscheinlichkeit Böen von 60 bis 80 km/h aus N-NW auftreten werden. Vereinzelt sind auch Böen um 95 km/h denkbar, wenn alles zusammenkommt. Zum Abend mit Ende der Grenzschichtdurchmischung werden Böen deutlich schwächer ausfallen und geringer wahrscheinlich. Was das Böenpotential etwas hemmt, ist die geringe Scherung (sowohl am Boden, als auch in der Höhe), sodass die meisten Zellen unorganisiert aufploppen werden. Typische Wasserbombenkonvektion alá 
Popcorngewitter, nur das für letzteres am Montag noch die großsynoptische Hebung etwas zu wünschen übrig lässt.

Am Dienstag ändert sich daran im Grund wenig. Allgemein sollte die Konvektionshemmung mit Annäherung des Troges (Trogvorderseite) weniger stark ausgeprägt sein, als wenn der Rücken die Gesamtkonstellation deckelt. Die WLA in der Höhe ist aber immerhin noch vorhanden! Zumindest die Scherung mit Annäherung des Troges von Nordwesten her etwas zunimmt, sodass sich zum unorganisierten Wasserbombenschrott auch einzelne Multizellencluster gesellen. 
Dabei sind auch kurze linienartige Formationen denkbar, wobei man diese durch die Konvergenzen ohnehin schon  hat.  Die geringe Scherung begünstigt die Hagelbildung nicht besonders, sodass ein Großteil des Hagel kleinkörniger Natur verbleibt oder gänzlich fehlt. Im Hochstadium der jeweiligen Einzelzellen muss aber vereinzelt auf Grund der Cape-Werte zweitweise mit größeren Hagelkörnern zwischen 2 und 3 cm gerechnet werden. Insbesondere dann, wenn sich durch Eigendynamik der Zellen etwas bessere Scherbedingungen ausbilden! In der Nacht fehlt dann etwas die Energie, sodass die Hagelwahrscheinlichkeit stark zurückgeht. 

Modellvergleich, Persistenz und Unterschiede
Die großsynoptische Lage wird von den Modellen ähnlich berechnet. Insbesondere im Ablauf und Timing gibt es durchaus stärkere Unterschiede. GFS lässt die Konvergenz stärker nach Osten vorankommen, während EZ und ICON deutlich langsamer unterwegs sind. Hinsichtlich der Gewitterschwerpunkte zeigen konvektionsauflösende Modelle ebenfalls größere Unterschiede, ein richtiger Schwerpunkt - vermutlich auch auf Grund der sehr lokalen Windkonvergenzen - ist nicht auszumachen. SHD berechnet in Westniederschsachsen kaum Konvektion und hat den Schwerpunkt am Montag/Nacht auf Dienstag eher vom Niederrhein bis zu den Westfriesen. 
Dahingegen deutet D2 eher den Schwerpunkt vom Rothaargebirge bis in die Dt. Bucht. Das dänische Modell ist zusammen mit dem EZ eher auf dem SHD-Weg, während UK10 eher einen D2 Weg geht.
Am Ende bleibt es wohl am Nowcasting die Schwerpunkte genauer festzustellen.

Stand : 01.09.2024 16:18 Uhr - Alle Angaben sind ohne Gewähr.
Update 16:46 Uhr im ursprünglichen Artikel waren Bilder eingefügt, dessen Urheberrechte nicht beim Autor des Artikels liegen. Diese wurden entfernt. 

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